Über Knoten, Spiralen und die verborgene Ordnung der Welt: keltische Symbole und ihre Bedeutung

Über Knoten, Spiralen und die verborgene Ordnung der Welt: keltische Symbole und ihre Bedeutung

Keltische Ornamente waren nicht nur dekorative Motive. Für die Kelten stellten sie eine Möglichkeit dar, die Ordnung der Welt, natürliche Zyklen und den Platz des Menschen in ihrem Rhythmus auszudrücken, ganz ohne Worte. Heute feiern keltische Muster ihr Comeback – von edlem Schmuck bis hin zu Tattoo-Studios. Wir zeigen dir, wie du keltische Symbole lesen kannst, um ihre wahre Bedeutung und Tiefe zu verstehen.

Das Geheimnis der Druiden und der „keltischen Geometrie"

In ganz Europa hinterließen die Kelten viele faszinierende Spuren – doch nur wenige Hinweise darauf, wie wir sie wirklich verstehen sollen. Laut antiken Autoren lernten die Druiden überwiegend auswendig und hielten die Bedeutung der heiligen Symbolik gewöhnlich nicht schriftlich fest.

Die meistenkeltischen Motive schöpfen ihre Kraft aus der Natur und der faszinierenden Welt der Geometrie. Deshalb wissen wir, dass der Kreis die Sonne und den wiederkehrenden Zyklus symbolisierte; verflochtene Linien stellten die Verbundenheit der Welt dar, und die Spirale wiederum Bewegung und Wachstum.

Aber Vorsicht: Keltische Symbole funktionieren nicht wie Einträge in einem Wörterbuch. Mithilfe verschiedener geometrischer Figuren drückten die Kelten allgemeinere Prinzipien aus, mit denen sie das Geschehen in der umliegenden Landschaft erklärten oder ihre Rituale gestalteten.

WUSSTEST DU, DASS… viele Knotenmotive in der keltischen Kultur so gestaltet sind, dass sie in einem einzigen Zug gezeichnet werden können? Der ununterbrochene Strich symbolisiert Kontinuität ohne „offene Enden".

Keltische Knoten: der ewige Kreislauf des Lebens

Die keltischen Knoten symbolisierten Einheit, Ewigkeit und die Verbindung mit dem unendlichen Zyklus des Lebens. Die Linie des Knotens verflicht sich endlos, beginnt aber nirgendwo und endet nirgendwo.

Die keltischen Knoten sind also viel mehr als nur Schmuck – sie erzählen von ewiger Verbundenheit und dem endlosen Kreislauf des Lebens.

Knoten drückten am häufigsten Folgendes aus:

  • Den ewigen Zyklus von Leben und Tod
  • Die Verbindung zwischen Mensch, Gemeinschaft, Heimat und dem Jenseits
  • Gleichgewicht

Die konkrete Interpretation des Symbols hängt auch davon ab, wo du das Motiv trägst und warum:

  • Der keltische Knoten des Lebens wird oft als Symbol des Zusammenhalts und der Kontinuität der Sippe verstanden.
  • Der keltische Liebesknoten wiederum betont eine feste Beziehung, die überdauert.

Welche keltischen Knoten gehören zu den beliebtesten? Unter der Aufzählung findest du auch ihre Abbildung (oft handelt es sich jedoch um eine moderne Darstellung – die Kelten nannten sie höchstwahrscheinlich nicht genau so).

Triquetra (Dreifaltigkeitsknoten)

Die Triquetra (auch „Dreischenkel“ genannt) besteht aus drei ineinander verschlungenen Bögen und als Motiv gelangte sie aus dem keltischen Umfeld auch ins Christentum.

Für die Kelten symbolisierte die Triquetra die Verbindung zwischen Leben, Tod und Wiedergeburt, beziehungsweise die Verbindung von Erde, Meer und Himmel. Im Christentum stellt der Dreifachknoten die Trinität Gottes dar: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

WUSSTEST DU, DASS … die Triquetra laut einer alternativen Deutung auch die weibliche Familienlinie symbolisierte: Großmutter – Mutter – Tochter? Deshalb taucht es bis heute als keltisches Symbol von Mutter und Tochter auf – als Ausdruck der Kontinuität der Familie. Es handelt sich jedoch eher um eine moderne Deutung und nicht um eine historische Tatsache.

Keltischer Liebesknoten

Komplexe Verflechtungen erzählen von tiefer Treue, inniger Liebe und aufrichtiger Hingabe.  Ununterbrochene Linien stellen ein festes Band zwischen zwei Menschen dar.

Der keltische Lebensbaum: Verbindung von Physischem und Geistigem

Zu den bedeutenden keltischen Symbolen gehört auch der Lebensbaum. Er symbolisiert Ordnung, Gleichgewicht und die Verbindung der Welten:

  • Wurzeln – Verbindung mit der „Unterwelt" und unseren Vorfahren
  • Stamm – die Welt der Lebenden
  • Krone – Gottheit und Himmel

Die Kelten sahen die Natur nicht durch eine rosarote Brille – für sie war sie ein lebendiges Netz, in dem alles miteinander verbunden ist.

Der Lebensbaum war für sie also auch die Verkörperung einer gewissen „Autorität" – ähnlich wie in nordischen und anderen alten Kulturen.

Das keltische Kreuz

Das Symbol des keltischen Kreuzes tauchte erstmals in Irland auf, vermutlich um das 7. Jh. n. Chr. Es symbolisiert die Verbindung des irdischen Lebens mit der göttlichen Sphäre.

Das Symbol stellt ein mit einem Kreis verflochtenes Kreuz dar: In ihm vermischen sich heidnische und christliche Bilder und Bräuche. Das keltische Kreuz sollte die Hoffnung auf Frieden und die gegenseitige Verbindung der „alten“ und „neuen" religiösen Welt darstellen.

Das keltische Kreuz bewahrt bis heute seine Bedeutung und erscheint sowohl in der Schmuckkunst als auch beispielsweise im Tarot – auch hier symbolisiert es eine Weggabelung, das Aufeinandertreffen verschiedener Einflüsse.

Trotz des gleichen Namens hat die beliebte Tarot-Methode ‚Keltisches Kreuz‘ mit der historischen Welt der Kelten keine tatsächliche Verbindung.

Spiralen und Triskelion – Entwicklung und Wachstum

Die Spirale symbolisiert in der keltischen Kultur Bewegung: Entwicklung, Wachstum und Wandel. Alte Kulturen, einschließlich der Kelten, betrachteten die Spirale als Symbol, das den verschlungenen Weg des Lebens oder die Verbindung von Welt und Universum darstellt.

Triskelion (Triskele) – es handelt sich um ein Symbol aus drei Spiralen, die von einem Mittelpunkt ausgehen. Es stellte eine zyklische Bewegung dar – zum Beispiel Geburt, Leben, Tod – oder die Verbindung von Körper, Geist und Seele.

Vom Mythos befreit: keltische Runen vs. Ogham

Im Zusammenhang mit der keltischen Kultur taucht häufig die Frage auf, ob die Kelten Runen verwendeten. Diese Art der Schrift ist jedoch überwiegend typisch für das germanische Umfeld.

Die Kelten hatten ihre eigene Schrift – Ogham. Es handelte sich um ein System aus Kerben und Strichen, die üblicherweise in Steinquadern gemeißelt oder in Holz geritzt wurden. Vor dem Aufkommen des Christentums wurde dieses System auch zur Aufzeichnung des Altirischen verwendet.

Ogham wurde entweder auf einer vertikalen oder horizontalen Kante geschrieben: Beim Schreiben auf der vertikalen Kante wurde die Schrift von unten nach oben aufgezeichnet, beim Schreiben auf der horizontalen Kante von links nach rechts. Jeder Buchstabe bestand aus ein bis fünf Strichen.

Die Schrift konnten nur Eingeweihte entschlüsseln – überwiegend Druiden, weiterhin wahrscheinlich auch die Stammeselite („Adlige").

WUSSTEST DU… Ogham-Inschriften sind in der Regel kurz und praktisch? Sie bezeichneten beispielsweise Sippenverbindungen oder Gebietsgrenzen einzelner Stämme. Wenn die Schrift Grenzen markierte, hatten die Inschriften großes Gewicht und kaum jemand wagte es, sie zu ignorieren.

Symbolik auf Gegenständen: Waffen, Schmuck und Münzen

Keltische Symbole erschienen auch auf Gegenständen des täglichen Bedarfs. Gravuren auf dem keltischen Schwert oder dem keltischen Messer betonten den Status des Besitzers – oder sollten ihn auf Kriegszügen schützen.

Auf keltischen Münzen erschienen sowohl militärische (Reiter) als auch mythologische Motive (stilisiertes Pferd oder Eber).

Auch der keltische Stater (auch Regenbogenschüsselchen) – eine Münze, die etwa vom 3. bis 1. Jh. v. Chr. geprägt wurde – enthielt Tiersymbolik, die der damalige Mensch mit Reichtum, Stärke und dem „Glück der Sippe" verband.

Auch keltischer Schmuck hatte eine tiefere Bedeutung: Beispielsweise trugen bedeutende Personen Halsringe, die sich in der Gesellschaft großer Achtung erfreuten.

Das keltische Horoskop: Bäume und Tiere

Obwohl Plinius der Ältere und andere römische Autoren in ihren Schriften andeuten, dass die keltischen Druiden auch die Sterne beobachteten – nicht weniger Bedeutung maßen sie der „irdischen" Natur bei.

Große Bedeutung hatten für sie die Jahreszeiten sowie die Entwicklungszyklen der Bäume oder das Leben der Tiere. Das bezeugen auch die in letzter Zeit sehr populären keltischen Horoskope, sog. Baumhoroskope, die allerdings ein modernes romantisches Konstrukt sind.

Wie wählt man ein keltisches Motiv für ein Tattoo

Auch wenn der Lauf der Zeit viele Bedeutungen verblassen ließ, begeistern keltische Symbole uns bis heute mit ihrem geheimnisvollen Charme.

Reizt dich ein keltisches Symbol als Tattoo? Kläre zuerst für dich, welches Motiv dich anspricht und warum. Wenn du suchst:

  • Persönliches Wachstum: wähle eine Spirale oder ein Triskelion.
  • Innere Stärke und Stabilität: der Lebensbaum.
  • Spirituelle Dimension: wähle eine Triquetra oder ein hohes keltisches Kreuz.

Unser Rat: Wähle ein Muster aus, das „zeitlose“ Werte symbolisiert und das dich in einem einzigen Satz beschreibt. Denn das ist das Wesen des keltischen Symbols: ein tiefer Gedanke, der sich kurz und einfach beschreiben lässt.

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