Turnierrüstung

Turnierrüstung
Mit dem Jahr 476 ist der Untergang des Römischen Reiches verbunden. Ungefähr in dieser Zeit, als auch die Völkerwanderung verlief, begann das Mittelalter. Die ersten Staaten entstanden und bildeten ihre Grenzen. Die Missionare wanderten durch Europa, die Herrscher ließen sich taufen und empfingen auf diese Weise das Christentum. Der Einfluss der katholischen Kirche stieg allmählich. Man baute Burgen, Kirchen, gründete Städte und erste Universitäten. Das Mittelalter brachte auch Kreuzzüge gegen Muslime und Ketzer oder Pestepidemien. Mittelalterliche Menschen brauchten doch nicht nur Gebete und Askese, sondern auch ein Vergnügen. Der Adel liebte zum Beispiel die Ritterturniere.

Die Ritterschaft

Als Ritter wurden ursprünglich berittene Krieger bezeichnet. Jeder Ritter brauchte ein Pferd, eine Lanze, einen Schutzschild und natürlich eine Rüstung: zuerst eine Kettenrüstung, später eine Plattenrüstung. Der Ritter diente seinem Herrn, dessen Rechte er durchsetzen sollte. Er half ihm auch, seine Macht zu verbreiten. Die Ritter waren reiche Feudalherren, weil die Rüstung und die Ausbildung viel Geld kosteten. Die Karolinger empfingen in ihre Dienste aber auch arme Männer und belohnten sie für ihre kriegerische Tätigkeit.

Kirchliche Würdenträger lehnten den Kampf und die Ritterschaft streng ab, weil die Feudalherren oft gegen sie kämpften. Der Kampf widersprach zusätzlich der christlichen Ethik. Die Kirche musste doch gegen die Muslime und Ketzer kämpfen. Deshalb änderte sie ihre Meinung: der Kampf für das Christentum war durchweg richtig. Junge Ritter wurden als christliche Ritter erzogen, die wegen des Kampfes gegen die Ketzer auf den weltlichen Ruhm verzichteten. Manche Dichter beschrieben verschiedene heroische Taten der tapferen Ritter: zum Beispiel Wolfram von Eschenbach oder Hartmann von Aue. Auf dem französischen Hof entwickelte sich die Ritterkultur, die sich in andere Länder verbreitete.    

Die Turniere  

Die Ritterturniere entstanden ‒ ähnlich als die Ritterkultur ‒ in Frankreich, wovon sie nach West- und Mitteleuropa durchdrangen. Das erste Turnier auf dem deutschen Gebiet sollte sich im Jahr 1127 bei Würzburg abspielen. Es handelte sich um einen Kampf von zwei Rittern (beziehungsweise von zwei Gruppen) auf dem Turnierplatz, den ein reicher Adeliger organisierte. Sein Verlauf entsprach einer Schlacht. Die Ritter hielten Turniere für ein militärisches Training, eine Kriegsvorbereitung und auch für eine Weise der Bereicherung. Sie konnten dort ihre militärischen Fähigkeiten und Tugenden beweisen. Zwei Ritter auf den Pferden galoppierten aufeinander und jeder versuchte, seinen Gegner aus dem Sattel zu stechen. Der Sieger war natürlich dieser Ritter, der seinen Feind mit dem Rennspieß aus dem Sattel warf. Manchmal konnte die Punkte auch der Ritter gewinnen, der seinen Rennspieß am Schild des Gegners brach. In diesem Fall siegte der Kämpfer, der die höchste Anzahl der Rennspieße zerstörte. Der Ritter wollte seinen Gegner gefangen nehmen, sich dessen Rüstung und Pferdes bemächtigen und das Lösegeld fordern. Am Anfang fanden die Ritterturniere auf einem entfernten Ort statt. Später wurden sie in die Nähe der Burgen und der Städte verschoben. Dort hatten die Ritter ein reiches Publikum. Die Turniere begleiteten zusätzlich die Gaukler und Sänger. Es wurde vorab gemeldet, wo und wann ein Turnier verläuft.

Die Turniere wurden nach bestimmten Regeln organisiert, die als Cartell bezeichnet wurden und die sich ständig entwickelten. Solche Regel verfasste zum Beispiel der französische Herzog René von Anjou. Jeder junge Ritter, der am Turnier zum ersten Mal teilnehmen wollte, brauchte zum Beispiel die Empfehlung eines erfahrenen Kämpfers. Das Turnier wurde auch in mehrere Phasen geteilt. Zuerst kämpften die Ritter auf dem Pferd mit ihren Lanzen. Dann stiegen sie vom Pferd ab und benützten ihre Schwerter, Streitkolben und Morgensterne.

Die Kirche verdammte die Turniere, weil sie ihrer Meinung nach die Gewalt verherrlichten. Das Konzil in Clermont im Jahr 1130 gelang zur Ansicht, dass kein Ritter, der während eines Turniers stirbt, als Christ begraben wird.

Die Turnierrüstung

Zur Grundausrüstung eines Ritters gehörte der Rennspieß (Störtzer). Es handelte sich um eine Lanze, die bis 370 Zentimeter lang sein konnte. Sie wurde mit einem Eisenkrönlein beendet, dass 3 oder 4 stumpfe Spitzen hatte. Ihr Stiel wurde aus weichem Holz hergestellt. Der Rennspieß war auch mit einem Handschützer aus Eisen versehen, damit der Ritter die Verletzung vermied.

Der Sattel war auch dem Turnier angepasst. Seine Kanten waren höher, was zur besseren Stabilität beitrug. Der Ritter schützte seine linke Hand mit einem Panzerhandschuh. In der rechten Hand hielt er seine zweite Waffe (zum Beispiel den Streikolben) oder den Schutzschild, auf dem Ritters Wappen gemalt war. Manchmal war der Stiel von der Lanze mit Ritters Farben bemalt. Die Ritter bedeckten ihre Plattenrüstung mit einem Wappenrock. Auch die Pferde konnten ihre Rüstung haben und mit einer Satteldecke, der so genannten Schabracke, bedeckt sein, die zum Wappenrock passte. Die Zuschauer konnten so leicht erkennen, welcher Ritter siegte. Zusammen mit den Turnieren entwickelte sich deshalb auch die Heraldik. Mit den Spornen auf den Schuhen trieben die Ritter ihre Pferde zum schnelleren Lauf. 

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