Hexen: Gestalten zwischen Mythos und blutiger Geschichte
Beim Wort „Hexe“ denken die meisten sofort an Karneval oder Märchenfiguren ausKinderbüchern. Gleichzeitig steht der Begriff aber auch für eines der grausamstenPhänomene an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit – die systematische Verfolgung,Folter und Verbrennung von Menschen, denen ein Pakt mit dem Teufel vorgeworfen wurde.Aber was steckt dahinter? Wann ist Hexennacht – und warum gerade am 30. April?
Inhaltsverzeichnis
- Wie stellt man sich eine Hexe vor?
- Wicca – Hexen in der modernen Zeit
- Hexenprozesse und Scheiterhaufen
- Salem 1692: Hysterie in der Neuen Welt
- Velké Losiny: Hexerei in der tschechischen Geschichte
- Die bekanntesten Hexen der Geschichte
- Gibt es Hexen heute noch?
- Wie wird die Hexennacht heute gefeiert?
- Kostüme für Hexen und Zauberer
Die Philipps-und-Jakobs-Nacht zwischen dem 30. April und dem 1. Mai ist besonders, weil hier mehrere Traditionen zusammenkommen. Und jede hat ihre eigene Geschichte.
1. Beltane
Die älteste geht auf die Kelten zurück. Das Fest Beltane („helles Feuer“) war eines der vier großen keltischen Feste und markierte den Übergang in die „helle“ Jahreshälfte – die symbolische Grenze zwischen Winter und Sommer.
Die Kelten löschten alle Feuer im Dorf und entzündeten ein zentrales Feuer, von dem sie neues Feuer in ihre Häuser trugen. Das Ganze stand für einen Neuanfang, Reinigung und Schutz vor dunklen Mächten. Nutztiere trieb man traditionell zwischen zwei Feuern hindurch, um sie von Krankheiten zu reinigen.
2. Walpurgisnacht
Aus Deutschland und den nordischen Ländern stammt die Walpurgisnacht – benannt nach der heiligen Walburga, einer angelsächsischen Missionarin aus dem 8. Jahrhundert. Walburga löste in der deutschen Volksüberlieferung nach und nach die ursprünglichen germanischen Frühlingsfeiern ab. Auch Goethe griff diese Tradition in seinem Faust auf, wo er die Walpurgisnacht als Hexensabbat darstellte.
3. Philipps-und-Jakobs-Nacht
Der Name Philipps-und-Jakobs-Nacht zeigt, wie die Kirche versucht hat, das heidnische Fest zu christianisieren: Auf den 1. Mai fiel nämlich der Festtag der Apostel Philippus und Jakobus.
Zu dieser Tradition gehört ein interessantes Detail: Der bis heute fortlebende Volksbrauch – das Entzünden von Feuern am Vorabend des 1. Mai – taucht in keiner altböhmischen Quelle auf. Der Folklorist Čeněk Zíbrt (1864–1932) vermutete, dass er aus dem deutschen Kulturraum übernommen wurde.
Warum werden ausgerechnet Hexen verbrannt?
Man glaubte, dass diese Nacht vom April zum Mai besonders günstig für böse Mächte sei. Der Überlieferung nach flogen Hexen in dieser Nacht auf Besen durch den Himmel zu ihren Sabbaten und schadeten Menschen und Vieh.
Das Feuer sollte schützen: Es vertrieb die Dunkelheit und schützte Ernte und Vieh. Aus dem ursprünglich heidnischen Ritual wurde in christlicher Zeit ein symbolisches „Verbrennen des Bösen“.
WUSSTEST DU, DASS … eine alte Schutzpraktik darin bestand, vor die Stalltür oder auf die Türschwelle kleine Häufchen Sand oder Strohhalme zu streuen? Unsere Vorfahren glaubten, dass eine Hexe erst jedes Körnchen oder jeden Halm zählen muss – und den Hausbewohnern und dem Vieh bis dahin nicht schaden kann. Mit dem Morgengrauen und dem Krähen des Hahns sollte die Macht der Hexe gebrochen sein.
Wie stellt man sich eine Hexe vor?
Spitzhut, schwarzer Umhang, Besen, grünliche Haut und eine Warze auf der Nase – so stellen wir uns eine Hexe heute vor. Dieses Bild ist viel jünger, als man denkt, und es entstand nicht zufällig.
Warum Hexen so hässlich dargestellt wurden
Die mittelalterliche Kirche stellte Hexerei gezielt als sichtbare, abschreckende Bedrohung dar. Die Menschen glaubten, dass ein hässliches Äußeres eine böse und verdorbene Seele widerspiegle. Berichte über Besen oder nächtliche Flüge gehen auf Aussagen der Angeklagten zurück.
Unter oft unerträglicher Folter berichteten sie vom Einreiben mit sogenannten „Hexensalben“ und vom Fliegen auf verschiedenen Gegenständen – etwa auf Gabeln oder Stöcken. Der Besen als Hexensymbol setzte sich in den populären Darstellungen vor allem im 15. und 16. Jahrhundert durch.
Der Spitzhut hat ebenfalls eine interessante Geschichte. Einige Studien führen seinen Ursprung auf Hüte zurück, die im Spätmittelalter bestimmte als „anders“ geltende Gruppen tragen mussten – etwa Juden oder Ketzer bei der Buße. Dieses Stigma tauchte später auch in Hexendarstellungen auf.
WUSSTEST DU, DASS … das „Hexenmal“ einer der wichtigsten Schuldbeweise bei den Prozessen war? Die Beschuldigten wurden entkleidet, rasiert und gründlich untersucht: Man suchte nach einer Warze oder einem dunklen Fleck, durch den angeblich ein Dämon der Hexe Blut aussaugte. Die Inquisitoren stachen dann jeden Zentimeter Haut mit einer Nadel, bis sie eine Stelle fanden, die nicht blutete – um sie als Hexe zu überführen.

Wicca – Hexen in der modernen Zeit
Moderne Hexen der Wicca-Bewegung sehen völlig anders aus und haben mit dem Märchenbild nichts gemeinsam.
Wicca ist eine neuheidnische Religion, die in den 1940er- und 1950er-Jahren in England entstand – maßgeblich geprägt von Gerald Gardner. Im Mittelpunkt dieses Glaubens stehen natürliche Zyklen, die Verehrung des Gehörnten Gottes sowie die Grundregel: „Tu, was du willst, solange du niemandem schadest“.
Hexenprozesse und Scheiterhaufen
Hexenverfolgungen sind kein rein mittelalterliches Phänomen. Der Höhepunkt der Hexenprozesse lag ausgerechnet in der Zeit der Renaissance und der Frühen Neuzeit – ungefähr zwischen 1450 und 1750.
Man geht davon aus, dass in diesem Zeitraum in Europa und Amerika zwischen 35.000 und 100.000 Menschen hingerichtet wurden. Mehr als drei Viertel der Prozesse fanden im deutschsprachigen Raum, in Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden statt.
Ein wichtiger Meilenstein war die Schrift Malleus Maleficarum (der „Hexenhammer“) aus dem Jahr 1487. Dieses Dokument stützte sich auf die päpstliche Bulle von 1484 und legte fest, wie solche Prozesse geführt werden sollten. Damit hatten Richter eine Anleitung, wie sie die Prozesse vor dem Gesetz und vor kirchlichen Würdenträgern rechtfertigen konnten.
Folter gehörte fest dazu. Daumenschrauben, Spanischer Stiefel, Streckbank und andere drastische Methoden dienten dazu, Geständnisse und Namen weiterer „Mittäterinnen“ zu erpressen.
Verurteilte, die gestanden hatten, wurden etwas „humaner“ hingerichtet – der Henker erdrosselte sie in der Regel, bevor der Scheiterhaufen angezündet wurde.
Wer nicht gestand, wurde weiter gefoltert – denn die Inquisition wertete das Bestreiten der Schuld als weiteren Beweis für den Schutz des Teufels.
Salem 1692: Hysterie in der Neuen Welt
Die Prozesse im amerikanischen Salem sind ein klassisches Beispiel dafür, wie kollektive Hysterie eine ganze Gemeinschaft zerstören kann. Im Januar 1692 bekamen zwei Mädchen – die neunjährige Betty Parris und die elfjährige Abigail Williams – plötzlich Krampfanfälle und fielen in Zustände, die sich die Menschen damals nur durch übernatürliche Kräfte erklären konnten.
Schon bald zeigten auch andere Mädchen ähnliche Symptome. Letztlich wurden über 200 Menschen angeklagt. 25 Personen kamen ums Leben.
Die Richter ließen damals sogar absurde Beweise zu, etwa die „gespenstische Aussage“ – Menschen behaupteten, der Geist des Angeklagten habe sie im Schlaf besucht und ihnen Leid zugefügt. 1696 entschuldigten sich die Geschworenen öffentlich. Die letzte Verurteilte wurde erst 2022 formell rehabilitiert.
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Velké Losiny: Hexerei in der tschechischen Geschichte
Die größten Hexenprozesse in Böhmen und Mähren fanden in Nordmähren statt – auf der Herrschaft Velké Losiny und im nahen Šumperk. Ausgelöst wurden sie 1678, als eine alte Bettlerin in der Kirche eine Hostie stahl, um damit die Kuh ihrer Nachbarin zu heilen. Das setzte eine Kette von Ereignissen in Gang, bei denen über 100 Menschen ums Leben kamen.
Im Mittelpunkt stand der Inquisitor Heinrich Franz Boblig von Edelstadt. Seine Methoden waren brutal: Die Opfer mussten für ihre Haft und sogar für ihre eigene Hinrichtung bezahlen.
Der Inquisitor nahm gezielt wohlhabende Bürger ins Visier, deren Vermögen nach der Verurteilung an die Kommission fiel. Die Verfolgung wurde erst 1692 durch kaiserlichen Erlass gestoppt – Boblig hatte begonnen, auch einflussreiche Persönlichkeiten anzuklagen, die sich beim Kaiser Gehör verschafften.
Die bekanntesten Hexen der Geschichte
Zu den berühmtesten Hexen gehören:
- Alice Kyteler – die erste irische Frau, die wegen Hexerei verurteilt wurde (1324) und in der Nacht vor der Hinrichtung auf mysteriöse Weise aus ihrer vergitterten Zelle verschwand.
- Tituba – eine Sklavin aus Salem, die als eine der wenigen die Hexenverfolgung überlebte, weil sie „gestand“ und andere beschuldigte. Dadurch endete sie nicht auf dem Schafott, sondern im Gefängnis, aus dem sie später jemand freikaufte.
- Baba Jaga – eine Gestalt der slawischen Mythologie an der Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. Sie konnte einem Menschen helfen oder schaden – je nachdem, wie man ihr begegnete.
WUSSTEST DU, DASS … es auch in der modernen Literatur berühmte Hexen gibt, wie Hermine Granger oder Sabrina Spellman? Beide haben auch in der Filmwelt große Popularität erlangt.
Gibt es Hexen heute noch?
Ja, moderne Hexen gibt es tatsächlich – sie bekennen sich vor allem zur Wicca-Bewegung, die weltweit Anhänger hat.
Spannend ist auch das Phänomen der Žítková-Göttinnen – eine Tradition der „weißen Magie“ aus dem mährisch-slowakischen Grenzgebiet. Mit der Wicca-Bewegung hat diese Tradition allerdings nichts gemeinsam.
Hexensymbole und Runen sind heute oft Teil von Schmuck, Tattoos und Dekorationen.
Runen, die manchmal als „Hexenrunen“ bezeichnet werden, sind in Wirklichkeit eine germanische Schrift, und historisch wurden sie ganz anders verwendet als in der Wicca-Praxis, die sie als eine von vielen Inspirationsquellen übernahm.

Wie wird die Hexennacht heute gefeiert?
Die Veranstaltungen rund um den 30. April und 1. Mai sind heute vor allem eine Gelegenheit für gesellige Abende, und für alle, die Traditionen und Geschichte mögen.
Typisch sind zum Beispiel:
- Zentrales Feuer: Ein großes Lagerfeuer steht im Mittelpunkt des Geschehens.
- Symbolisches Hexenbrennen: Eine Hexenpuppe wird verbrannt – als Symbol für das Vertreiben von Winter und bösen Mächten.
- Unterhaltung und Essen: Musik und Essen direkt vom Grill oder aus dem Feuer.
- Kinderprogramm: An vielen Orten finden Umzüge mit verkleideten Kindern statt.
Was kommt auf den Grill? Die Klassiker sind Würstchen am Spieß. Wer mag, kann auch Knoblauchbrot, Kartoffeln in Alufolie oder herzhafte Fladen direkt über der Flamme ausprobieren.
Tipps für Familien mit Kindern:
- Gesichtsbemalung: Beliebt sind Motive wie Spinnennetze, Sterne oder magische Symbole.
- Schatzsuche: Ein Spiel im Freien mit kleinen Aufgaben und versteckten Hinweisen.
- Kostümwettbewerb: Wahl des besten Kostüms des Abends.
WUSSTEST DU, DASS … die Hexenfeuer in Tschechien so zahlreich und hell sind, dass man sie sogar auf Satellitenbildern aus dem All sehen kann? Kameras der amerikanischen Behörde NOAA haben sie aus einer Höhe von 850 Kilometern eingefangen.
Kostüme für Hexen und Zauberer
Ein gutes Hexenkostüm darf bei keiner Feier fehlen. Das Gute daran: Du kannst es ganz einfach aus ein paar Teilen normaler Kleidung zusammenstellen.
Die Grundausstattung besteht aus:
- Hexenhut: Traditionell schwarz und spitz. Sternchen, auffällige Schnallen oder ein Stück Schleier machen den Look komplett.
- Dunkler Umhang: Ein Cape aus Samt oder glänzendem Stoff macht das Kostüm sofort viel authentischer.
- Besen: Ein unverzichtbares Requisit beim Fotografieren.
Für Kinder reicht auch eine vereinfachte Version völlig aus: Ein Hut, ein Zauberstab und dunkle Kleidung aus dem Schrank. Und wenn du so etwas nicht zu Hause hast, schau in unserem Shop vorbei: Dort findest du passende Kostüme und Zubehör, mit denen du oder dein Kind bei jeder Hexenfeier auffällt!
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